++ Sperrfrist: 10.2., 14 Uhr ++ Feuertod in JVA Kleve: Brandgutachten weist Widersprüche auf

2019-02-10 14:00:00

Köln (ots) -

Sperrfrist: 10.02.2019 14:00

Bitte beachten Sie, dass diese Meldung erst nach Ablauf der

Sperrfrist zur Veröffentlichung freigegeben ist. Das offizielle Brandgutachten zum tödlichen Zellenbrand in der JVA Kleve weist Widersprüche und zweifelhafte Einschätzungen auf. Das berichtet das WDR-Magazin Westpol, dem das Gutachten exklusiv vorliegt. Westpol hatte mehrfach über den Tod von Amad A. berichtet. Der Syrer war zu Unrecht in der JVA Kleve inhaftiert und starb nach einem Brand in seiner Zelle. Westpol hat das Gutachten drei unabhängigen Brandexperten vorgelegt, die auf viele offene Fragen und Widersprüche gestoßen sind.
So heißt es im Gutachten zunächst, das Fenster sei länger geöffnet gewesen - später heißt es dagegen, das Fenster sei erst spät geöffnet worden. Nur einer von mehreren Mängeln, die Brandexperte Korbinian Pasedag feststellt: "Auf der einen Seite beschreibt der Gutachter die Beschaffenheit der meisten Materialien nicht oder nicht ausreichend. Auf der anderen Seite bewertet er gleichwertige Spuren mit unterschiedlichen Prioritäten, bis hin zur Ignoranz von Fakten. Das widerspricht massiv dem Vorgehen bei Brandermittlungen."
Die unabhängigen Brandexperten kritisieren auch mangelnde Untersuchungen des Gutachters, der von der Staatsanwaltschaft Kleve beauftragt wurde. So hatte dieser bei der Untersuchung der Zelle zwar Instrumente zur Bestimmung von Brandbeschleuniger dabei - verzichtete aber darauf, diese vor Ort auch zu nutzen. Dies sei nicht nötig gewesen, da er aufgrund seiner Berufserfahrung anhand der Indizien Brandbeschleuniger ausschließen könne, begründete der Gutachter. "Es wäre klug gewesen, zumindest Proben zu nehmen und anschließend auch zu analysieren, weil eben das Ganze zu einem politischen Thema geworden ist und es wäre klug gewesen für den Sachverständigen, auch um sich selbst abzusichern", sagt der renommierte Brandexperte Henry Portz im Westpol-Interview.
Unüblich für ein Brandgutachten: Der offizielle Gutachter analysiert auch die psychische Situation des inhaftierten Amad A.; dieser habe vermutlich Suizid begehen wollen und daher den Brand gelegt. Mit dieser Äußerung zum Motiv habe der Gutachter seine Kompetenz überschritten, meint Experte Henry Portz: "Das ist nicht Sache des Brandsachverständigen, das zu beurteilen."
NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) hatte die Suizid-These frühzeitig als naheliegend dargestellt.
Mehr zur fragwürdigen Aufklärungsarbeit des Zellenbrandes, der zum Tod von Amad A. geführt hat, berichtet das Magazin Westpol am Sonntag.
Mit Quellenangabe WESTPOL (Sonntag, 10.02.2019, 19:30 Uhr, WDR Fernsehen) ab 14 Uhr zur Veröffentlichung frei.
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