Kein sicherer Hafen: Baubranche und Handel sorgen für hohe Zahlungsrisiken in Skandinavien

2019-07-25 10:45:00

Köln (ots) - Atradius weist Unternehmen im Firmengeschäft auf zunehmende Forderungsrisiken bei Exporten nach Skandinavien hin. In Norwegen, Schweden, Dänemark und Finnland hat sich zuletzt die Gefahr von Liquiditätsengpässen insbesondere bei Abnehmern aus den Branchen Bau und Handel erhöht. Das geht aus einer internen Analyse des internationalen Kreditversicherers hervor. Daneben sind die Unsicherheiten auch in einzelnen Branchen der vier Volkswirtschaften gestiegen, etwa in der norwegischen Fischerei oder bei finnischen Holzverarbeitungsfirmen.

"Die skandinavischen Volkswirtschaften haben im vergangenen Jahr ein insgesamt solides BIP-Wachstum erreicht - ein 'sicherer Hafen' sind die Länder zwischen Nord- und Ostsee für Exporteure jedoch keineswegs. Denn gleichzeitig ist das Insolvenzrisiko in der Region zuletzt erheblich gestiegen", sagt Michael Karrenberg, Regional Director Risk Services Germany, Central, North, East Europe & Russia/CIS von Atradius. "Firmen, die Geschäfte mit Unternehmen in den skandinavischen Ländern machen, sollten das berücksichtigen. Die Gefahr, einen Forderungsausfall zu erleiden, ist in Skandinavien weiterhin deutlich höher ist als vor der Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Ursachen hierfür sind dabei von Branche zu Branche ganz unterschiedlich."

2018 haben sich die Insolvenzzahlen in den skandinavischen Ländern erheblich erhöht. In Finnland nahmen die Firmenaufgaben um 17 % gegenüber 2017 zu, in Schweden um 13 %, in Norwegen um 12 % und in Dänemark um 7 %. Für das Jahr 2019 rechnet Atradius damit, dass in Schweden die Insolvenzen noch einmal um 3 % steigen. In Dänemark und Norwegen dürften sie stagnieren, in Finnland dürfte die Zahl leicht zurückgehen (-2 %).

Schwächere Nachfrage nach neuen Immobilien setzt Preise unter Druck Während in Deutschland die Bauwirtschaft nach wie vor boomt, hat in der skandinavischen Bauwirtschaft das Forderungsrisiko zugenommen. Nach mehreren Jahren des Wachstums hat sich die Stimmung in den vergangenen zweieinhalb Jahren merklich abgekühlt. Insbesondere der Wohnungsbaumarkt wirkt mehr und mehr gesättigt. Unternehmen, die in neue Apartments in Großstädten investiert haben, finden immer schwieriger Käufer für ihre Objekte. Besonders stark ist die Zahl der unverkauften Wohnungen zuletzt in Stockholm gestiegen: von rund 1.500 Einheiten im Jahr 2016 auf mehr als 8.000 im Jahr 2018. Gleichzeitig sind die Preise für neu errichtete Wohnungen in Schwedens Hauptstadt um 6 % gefallen. Eine ähnliche Entwicklung ist im Raum von Oslo zu beobachten. Infolge der schwächeren Nachfrage sind die Wohnungsbauaktivitäten in Schweden und Norwegen in den vergangenen 18 Monaten spürbar zurückgegangen. Darüber hinaus hat sich auch der gewerbliche Gebäudebau in beiden Ländern seit dem vergangenen Jahr abgeschwächt. Das alles verringert die Liquidität der Baufirmen entlang der Produktionskette und erhöht das Zahlungsrisiko für deren Lieferanten und Dienstleister. So entfällt mehr als jede vierte Firmeninsolvenz in Norwegen auf eine Firma auf den Bausektor.
Online-Geschäft: Internetriesen hängen kleinere Händler zunehmend ab
Zudem sind in den vergangenen Monaten Forderungsausfälle für Lieferanten und Dienstleister der skandinavischen Handelsbranche wahrscheinlicher geworden. Die Gründe hierfür sind vielfältig: In allen vier Ländern fehlt es vielen kleineren und mittleren Handelsunternehmen an einer stringenten Strategie für das Online-Geschäft. Stattdessen versuchen sie mit Einzelmaßnahmen, sich dem wachsenden Druck durch die großen Online-Anbieter entgegenzustemmen. Diese wiederum gewinnen mithilfe ihrer großen Datenmengen und ihrer ausgereiften Systeme immer mehr Marktanteile. Gleichzeitig trübt sich die Konsumstimmung ein, dafür wird mehr gespart. So haben sich beispielsweise in Finnland die Nettoersparnisse der Haushalte erstmals nach zwei Jahren wieder erhöht. Die größten Unsicherheiten im skandinavischen Handel sieht Atradius derzeit bei stationären Modehändlern, Einzelhandelsgeschäften, Händlern von Möbeln und weiteren Haushaltsgegenständen.
Fischbranche: Lachssterben erhöht Liquiditätsrisiko
Nach Rohöl und Gas ist Fisch das drittwichtigste Exportgut der norwegischen Wirtschaft. 2018 verzeichnete die Branche noch ein Rekordjahr. In diesem Jahr aber droht das Geschäft einzubrechen: Im Mai dieses Jahres breitete sich eine für Fische giftige Alge in den Gewässern Nordnorwegens aus. In der Folge starben mehrere Millionen Zuchtlachse - der mit Abstand wichtigste Exportfisch für die norwegische Fischereiwirtschaft. Durch das ausbleibende Geschäft droht vielen Menschen in der Region zumindest vorübergehend der Verlust ihres Arbeitsplatzes. Das Forderungsrisiko bei den Firmen in der Branche ist daher erheblich gestiegen.
Forderungsausfälle in finnischer Forstwirtschaft werden wahrscheinlicher
In der finnischen Forstwirtschaft wird für das aktuelle Jahr mit einem Rückgang des Produktions- und Exportwachstums gerechnet. Eine Ursache hierfür ist das Abkühlen der Weltwirtschaft und die nachlassende Nachfrage aus dem Ausland. Gleichzeitig bleiben die Unsicherheiten in wichtigen Exportdestinationen der Branche bestehen, unter anderem durch den drohenden Austritt Großbritanniens aus der EU oder dem hohen Verschuldungsgrad von Abnehmern aus China oder Italien. Atradius sieht vor diesem Hintergrund steigende Risiken für Forderungsausfälle bei Geschäften mit Firmen in der finnischen Holzindustrie.
Zahlreiche Analysen von Atradius zu Forderungsrisiken in Ländern und Branchen können im Internet unter www.atradius.de im Menüpunkt "Publikationen" kostenlos heruntergeladen werden.
Über Atradius
Atradius ist ein globaler Anbieter von Kreditversicherungen, Bürgschaften, Inkassodienstleistungen und Wirtschaftsinformationen mit einer strategischen Präsenz in mehr als 50 Ländern. Die von Atradius angebotenen Produkte schützen Unternehmen weltweit vor den Ausfallrisiken beim Verkauf von Waren und Dienstleistungen auf Kredit. Atradius ist Mitglied der Grupo Catalana Occidente (GCO.MC), einer der größten Versicherer in Spanien und einer der größten Kreditversicherer der Welt. Weitere Informationen finden Sie online unter www.atradius.de
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