Bayerische BKK-Chefin: GKV-Überschüsse sind kein Suppentopf

2018-12-05 12:55:28

München (ots) - Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) dokumentiert in den ersten drei Quartalen 2018 Überschüsse von 1,9 Milliarden Euro. In Summe profitieren zwar alle Kassenarten von der guten Finanzentwicklung, einen Suppentopf daraus zu machen und reflexartig nach schnellen Beitragssenkungen zu rufen, greift generell zu kurz, stellt Sigrid König, Vorständin des BKK Landesverbandes Bayern fest: "Die Krankenkassen haben einen Wettbewerb um Beitragssätze. Sie haben aber auch steigende Leistungsausgaben vorausschauend einzupreisen. Dabei wägen die Betriebskrankenkassen sorgsam ab, wie sie ihre Beitragsmittel einsetzen. Der Preisaspekt ist nur eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite stehen Qualitäts- und Leistungsangebote sowie stark ausgabenwirksame Gesetzesinitiativen, die die GKV in Zukunft fordern."

Ohnehin sind die Spielräume mancher Krankenkassen beengt. Elementar betroffen sind die Krankenkassen durch bestehende Verzerrungen im Finanzausgleich: Jeder Euro, der einer Krankenkasse zu viel zugewiesen wird, geht der anderen Versichertengemeinschaft verloren. Zudem sind die Leistungsausgaben der Krankenkassen für die Versorgung in Arztpraxen, Krankenhäusern und so weiter weitestgehend fremdbestimmt und deshalb schwer kalkulierbar. Dabei wiegt schwer, dass strukturelle Probleme in der Versorgung zu wenig angegangen werden. So werden zunehmend mehr Anreize für unnötige Operationen oder Überdiagnostik gesetzt und Versicherte sowohl körperlich als auch finanziell geschädigt.

Sigrid König: "Wir können weiterhin unnötige Rückenoperationen finanzieren, über- und fehlversorgte regionale Angebote laufen lassen und, wenn die Überschüsse vorhanden sind, Beiträge senken. Im Hinblick auf eine patientenorientierte Versorgung bringt uns diese Strategie aber keinen Schritt weiter. Wir brauchen im Sinne der Versicherten einen fairen Finanzausgleich und Mut, strukturelle Veränderungen in der Versorgung anzugehen."

Hintergrund: Die Überschüsse sind auch nach der aktuellen KV45 weiterhin höchst unterschiedlich verteilt: Je Versicherten umfassen sie bei den Betriebskrankenkassen (BKK) rund 17 Euro, bei den AOKen liegen sie dagegen bei rund 35 Euro.
Einnahmen, Ausgaben und Überschüsse je Versicherten in Euro absolut 1.-3. Quartal 2018
Krankenkassenart Einnahmen Ausgaben Überschuss GKV 2.483,79 2.458,15 25,64 AOK 2.598,87 2.564,08 34,79 BKK 2.217,25 2.199,77 17,48 IKK 2.311,11 2.287,76 23,35 LKK 3.068,35 3.071,80 -3,45 KBS 3.477,12 3.414,12 63,00 vdek 2.440,71 2.421,62 19,09
Quelle: BMG KV 45/I-III/2018, Berechnungen BKK Landesverband Bayern
Der BKK Landesverband Bayern vertritt als Körperschaft des öffentlichen Rechts die Interessen der Betriebskrankenkassen und ihrer Versicherten in Bayern. Aktuell zählt der BKK Landesverband Bayern 16 Betriebskrankenkassen als Mitglieder mit über 3,1 Millionen Versicherten (Kassensitz). In Bayern selbst leben mehr als 2,4 Millionen Menschen, die bei einer Betriebskrankenkasse (BKK) versichert sind. Damit verfügen die Betriebskrankenkassen im Freistaat über einen GKV-Marktanteil von rund 22 Prozent.
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